Die französische Luft- und Raumfahrtforschungsagentur ONERA hat das belgische Unternehmen AMOS mit dem Bau des Teleskops PROVIDENCE beauftragt. Das 2,5-Meter-Teleskop soll detaillierte Bilder von Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn für die französische Luft- und Raumstreitkräfte liefern. Der Betrieb des Teleskops wird voraussichtlich Anfang 2029 aufgenommen.
Entwicklung und Standort des PROVIDENCE-Teleskops
Die Vorstudien für PROVIDENCE begannen im Jahr 2020. Im November 2023 wurde das Observatorium Haute-Provence im Südosten Frankreichs als Standort für das neue Teleskop ausgewählt. Am 22. Juli 2026 gab ONERA bekannt, dass AMOS mit der Konstruktion und Herstellung von PROVIDENCE beauftragt wurde. Emmanuel Chiva, Vorsitzender und Geschäftsführer von ONERA, betonte die Bedeutung des Projekts: „Dieses neue Instrument wird in der Lage sein, die Auswirkungen und Effekte von Aktionen im Weltraum, sei es kinetisch oder laserbasiert, zu bewerten und damit die französische Souveränität zu unterstützen.“
ONERA sieht das Projekt als einen weiteren Schritt, um Frankreich in die Gruppe der weltweit führenden Militärmächte zu bringen, die in der Lage sind, den Weltraum zu überwachen und darin zu agieren. Ähnlich wie beim GRAVES-System soll PROVIDENCE dazu beitragen, die französische Position in der Weltraumüberwachung zu stärken.
Technische Fähigkeiten und Nutzung des Teleskops
Das PROVIDENCE-Teleskop wird Satelliten mit einer Auflösung von 10 Zentimetern aus einer Entfernung von 500 Kilometern identifizieren und verfolgen können. Diese Fähigkeit wird von ONERA als „einzigartig in Europa“ beschrieben. Neben der Unterstützung der Weltraumüberwachungsaktivitäten der französischen Luft- und Raumstreitkräfte wird das Teleskop auch für zivile Forschungszwecke genutzt. Dazu gehören Beobachtungen des Asteroiden Apophis während seiner Annäherung an die Erde im Jahr 2029.
Laut der Ankündigung vom 22. Juli wird PROVIDENCE für französische und europäische akademische Einrichtungen, Start-ups, kleine und mittlere Unternehmen, Industriepartner und öffentliche Einrichtungen zugänglich sein. ONERA hat die Gesamtkosten des Projekts nicht offengelegt, gab jedoch bekannt, dass 8,7 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung für förderfähige Ausgaben in Höhe von 14,5 Millionen Euro bereitgestellt wurden. Diese Summe deckt den Teil des Projekts ab, der durch die Finanzierungsvereinbarung abgedeckt ist, und stellt keinen bestätigten Gesamtprojektwert dar. Weitere Mittel werden von der französischen Verteidigungsinnovationsagentur und der Generaldirektion für Rüstung bereitgestellt.
- Quelle: European Spaceflight