Die NASA hat angekündigt, den Auswahlprozess für Wissenschaftsmissionen zu reformieren, um diese schneller und effizienter durchführen zu können. Das neue Modell namens „Competition Model 2.0“ (CM 2.0) soll den bisherigen zweistufigen Prozess vereinfachen und beschleunigen. Ziel ist es, die Zeit von der ersten Idee bis zur Umsetzung deutlich zu verkürzen und mehr Ressourcen auf die wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren.
Hintergrund und Ziele der Reform
Der bisherige Auswahlprozess für NASA-Missionen war oft langwierig und ressourcenintensiv. Es konnte mehrere Jahre dauern, bis eine Mission von der Konzeptphase zur Umsetzung gelangte. Zudem gab es Herausforderungen bei der Vertragsverwaltung, Unvorhersehbarkeiten und eine unzureichende Finanzierung. Mit CM 2.0 will die NASA diese Probleme angehen und den Fokus stärker auf die wissenschaftlichen Ziele legen.
Das neue Modell sieht vor, dass Vorschläge zunächst nur auf ihre wissenschaftliche Relevanz geprüft werden. Detaillierte technische Pläne und Kostenschätzungen werden erst in einer späteren Phase benötigt. Dadurch soll mehr Zeit für die eigentliche Forschung bleiben und der Prozess für kleinere Teams ohne große institutionelle Unterstützung zugänglicher werden.
Neue Struktur für verschiedene Missionstypen
Die Reform betrifft unterschiedliche Klassen von Missionen, die jeweils spezifische Anpassungen erfahren:
- Flagship-Missionen: Diese großen, direkt von der NASA geleiteten Missionen bleiben weitgehend unverändert, da ihr Prozess bereits reformiert wurde. Beispiele sind das James-Webb-Weltraumteleskop und zukünftige Großprojekte.
- Astro-Probes, New Frontiers und Discovery: Diese Missionen durchlaufen einen beschleunigten zweistufigen Prozess. In der ersten Phase werden nur wissenschaftliche Konzepte, Umsetzungspläne und Machbarkeitsstudien eingereicht. Die zweite Phase umfasst eine detaillierte Missionsstudie, die in Zusammenarbeit mit den NASA-Zentren Goddard Space Flight Center oder Jet Propulsion Laboratory durchgeführt wird.
- MIDEX und Earth Explorer: Auch hier wird ein zweistufiger Prozess angewendet, der jedoch eine breitere Palette von Umsetzungspartnern einbezieht, darunter Universitäten und Industrieunternehmen.
- SMEX, Missions of Opportunity, Earth Venture, Hosted Payloads und Ride Shares: Diese kleineren Missionen werden in einem einzigen Schritt ausgewählt, was die Zeit bis zur endgültigen Entscheidung erheblich verkürzt.
Durch diese Änderungen soll die Zeit von der ersten Ausschreibung bis zur Auswahl der Missionen um bis zu 45 Prozent reduziert werden. Beispielsweise wird der bisherige Zeitraum von 35 Monaten auf etwa 19,5 Monate verkürzt.
Auswirkungen und nächste Schritte
Die Reform soll nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Vielfalt der beteiligten Teams erhöhen. Kleinere Forschungsgruppen und Einzelwissenschaftler erhalten eine faire Chance, ihre Ideen einzubringen. Zudem wird die Zusammenarbeit mit der kommerziellen Raumfahrtindustrie verstärkt, um Synergien zu nutzen und Kosten zu senken.
Die NASA plant, CM 2.0 schrittweise einzuführen und dabei kontinuierlich Feedback aus der Wissenschaftsgemeinschaft zu berücksichtigen. Ein virtuelles Town-Hall-Meeting am 26. Oktober soll die Details des neuen Modells erläutern und Fragen beantworten.
- Quelle: NASA Science Town Hall Announcement