Rocket Lab hat den Erstflug seiner Neutron-Rakete erneut verschoben. Das Unternehmen gab bekannt, dass der Start nun frühestens 2027 erfolgen wird. Grund sind Probleme bei der Herstellung der kohlefaserverstärkten Strukturen der Rakete.
Herstellungsprobleme bei Tankdomes
Bei Untersuchungen der Treibstofftanks wurden Lufteinschlüsse in den kohlefaserverstärkten Dom-Strukturen entdeckt. Diese sogenannten „voids“ entstehen zwischen den Lagen der Kohlefasermatten während des Aushärtungsprozesses. Die Dom-Bauteile bilden die oberen und unteren Abschlüsse der Tanks der ersten Stufe.
Peter Beck, CEO von Rocket Lab, bestätigte, dass das Problem spezifisch im Herstellungsprozess dieser Bauteile liegt. Die Rakete verwendet durchgehend kohlefaserverstärkte Verbundwerkstoffe für ihre Hauptstrukturen, was Gewichtsvorteile bietet, aber komplexe Fertigungsprozesse erfordert.
Herausforderungen bei Kohlefaserfertigung
Die Herstellung großer Bauteile aus Kohlefaser stellt besondere Anforderungen. Die Materialeigenschaften hängen von Faktoren wie Faserqualität, Faseranteil und der Ausrichtung der Faserschichten ab. Bei Neutron kommt ein automatisiertes Faserablageverfahren (Automated Fiber Placement) zum Einsatz, das konsistentere Ergebnisse liefern soll als manuelle Verfahren.
Bereits im Januar war ein Testtank bei Drucktests versagt. Dies wurde auf die manuelle Fertigung durch einen Zulieferer zurückgeführt. Der Wechsel zum automatisierten Verfahren ermöglichte strukturelle Verbesserungen, führte aber zu den nun entdeckten Lufteinschlüssen in den Dom-Bauteilen.
Kohlefaserstrukturen haben sich bereits bei kleineren Trägerraketen wie der Electron von Rocket Lab bewährt. Bei größeren Systemen wie der Neutron, die mittlere Nutzlasten transportieren soll, sind die Fertigungsherausforderungen jedoch größer. Die Verzögerung betrifft den geplanten Start vom Weltraumbahnhof Wallops Island in Virginia.
- Quelle: https://arstechnica.com/space/2026/10/rocket-lab-announces-another-delay-for-its-medium-lift-neutron-rocket/
