Ein unter der Stadt Ames in Oklahoma verborgener Einschlagkrater ist fast 100 Millionen Jahre jünger als bisher angenommen. Neue Untersuchungen zeigen, dass der Krater mit dem Massenaussterben im späten Devon in Verbindung stehen könnte.
Ursprüngliche Fehleinschätzung der Kraterentstehung
Der etwa 16 Kilometer große Krater wurde 1991 durch seismische Messungen entdeckt. Er liegt unter 2,7 Kilometer mächtigen Sedimentschichten begraben. Erste Altersschätzungen basierten auf dem Fund eines fossilen Conodonten-Zahns im Kratergestein. Diese aalartigen Lebewesen existierten während des Ordoviziums vor etwa 467,5 Millionen Jahren. Damals trafen zahlreiche Asteroiden die Erde, die weltweit fast zwei Dutzend Krater in Äquatornähe hinterließen.
Ein Forschungsteam der University of Texas unter Leitung von Elizabeth Catlos kam jedoch zu einem anderen Ergebnis. Durch Analyse von Zirkonkristallen bestimmten sie das Alter des Kraters auf 370 Millionen Jahre. Damit fällt die Entstehung in die Zeit des Frasnium-Famennium-Massenaussterbens, bei dem schätzungsweise 40% aller Meereslebewesen verschwanden.
Zirkonkristalle als geologische Uhr
Die Datierung erfolgte mittels Uran-Blei-Methode an Zirkonkristallen, die durch den Einschlag neu gebildet wurden. Die Wissenschaftler nutzten Kathodolumineszenz und Elektronenrückstreubeugung, um die Kristalle zu untersuchen. Beide Methoden bestätigten konsistent das jüngere Alter.
Die früher gefundenen Conodonten-Fossilien waren vermutlich bereits im Gestein vorhanden und wurden durch den Einschlag nur aufgewirbelt. Zum Zeitpunkt des Impakts lag die Region unter einem flachen Meer, was die mächtige Sedimentbedeckung erklärt. Der Einschlag erzeugte Risse in der Erdkruste, durch die später Öl und Gas aufstiegen. Seit 1991 wurden aus dem Krater bereits 17,4 Millionen Barrel Öl und 2,25 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert.
Laut den Forschern war der Einschlag allein nicht groß genug, um ein Massenaussterben auszulösen, könnte aber zusammen mit anderen Faktoren wie Sauerstoffmangel, Vulkanismus oder einer nahen Supernova zum Artensterben beigetragen haben.
- Quelle: Space.com – Originalartikel
- Publikation: Meteoritics and Planetary Science, Juli 2023