Forscher haben im Rahmen einer NASA-geförderten Studie einen Einzeller nachgewiesen, der bei Temperaturen überlebt, die bisher als tödlich für komplexe Lebensformen galten. Der Organismus mit dem Namen Incendiamoeba cascadensis wurde in heißen Quellen des Lassen Volcanic National Park in Kalifornien entdeckt.
Neuer Temperaturrekord für Eukaryoten
Die Amöbe kann sich bei 63 Grad Celsius noch vermehren und bleibt bis 64 Grad Celsius aktiv. Damit übertrifft sie den bisherigen Rekord von 60 Grad Celsius, der von einigen Pilz- und Algenarten gehalten wurde. Laborversuche zeigten, dass der Einzeller selbst nach fünfminütiger Exposition bei 70 Grad Celsius noch überlebensfähig ist. Erst bei 80 Grad Celsius erlosch die Lebensfähigkeit dauerhaft.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Cell veröffentlicht. Die Studie widerlegt bisherige Annahmen zur Hitzebeständigkeit eukaryotischer Zellen, deren Membranen laut Theorien bei über 62 Grad Celsius instabil werden sollten.
Bedeutung für Astrobiologie und Biotechnologie
Extremophile Organismen wie I. cascadensis sind für die Astrobiologie von besonderem Interesse, da sie Aufschluss über mögliche Lebensformen auf anderen Planeten geben. Zudem produzieren sie spezielle Proteine mit potenziellen Anwendungen in Medizin und Industrie.
Genomanalysen zeigten, dass die Amöbe über spezielle Schutzmechanismen verfügt. Dazu gehören DNA-stabilisierende Gene und Proteine mit besonderer Oberflächenladung, die auch bei thermophilen Bakterien und Archaeen vorkommen. Vergleiche mit globalen Datenbanken deuten darauf hin, dass ähnliche hitzeresistente Amöben weltweit in geothermalen Gebieten vorkommen könnten.
Die Entdeckung zeigt, dass komplexe Lebensformen widerstandsfähiger sind als bisher angenommen. Dies erweitert die möglichen Habitate für Leben im Universum und gibt neue Impulse für die Suche nach extraterrestrischem Leben.
- Quelle: NASA-geförderte Studie veröffentlicht in Cell
- Untersuchungsgebiet: Lassen Volcanic National Park, Kalifornien