Am 13. Januar 1920 veröffentlichte die New York Times ein Editorial, das den Raketenpionier Robert Goddard lächerlich machte. Der Artikel behauptete, Raketen könnten im Vakuum des Weltraums nicht funktionieren, da sie Luft benötigten, gegen die sie drücken könnten. Diese Aussage war physikalisch falsch und basierte auf einem Missverständnis des Rückstoßprinzips, das bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt war. Raketen erzeugen Schub, indem sie Masse in Form von Abgasen in eine Richtung ausstoßen und dadurch in die entgegengesetzte Richtung beschleunigt werden. Luft ist dafür nicht erforderlich – im Gegenteil, sie behindert den Prozess sogar.
Die Folgen für Robert Goddard
Robert Goddard, ein Wissenschaftler am Clark College, hatte bereits in seinem Labor bewiesen, dass Raketen im Vakuum funktionieren. Trotzdem wurde er von der New York Times öffentlich verspottet. Der Artikel behauptete, Goddard fehle das Wissen, das täglich in High Schools vermittelt werde. Diese öffentliche Demütigung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf Goddard. Er wurde zunehmend zurückhaltend, veröffentlichte weniger und arbeitete isoliert. Seine Patente und Entwürfe, darunter Flüssigtreibstoff, gyroskopische Stabilisierung und Treibstoffpumpen, waren ihrer Zeit weit voraus. Historiker sind der Ansicht, dass seine Zurückhaltung die Entwicklung der amerikanischen Raketentechnik verlangsamte. Deutsche Ingenieure hingegen studierten seine veröffentlichten Arbeiten intensiv und setzten seine Ideen in der Entwicklung der V-2-Rakete um.
Die späte Korrektur der New York Times
Fast 50 Jahre später korrigierte die New York Times ihren Fehler. Am 17. Juli 1969, einen Tag nach dem Start von Apollo 11 zum Mond, veröffentlichte die Zeitung eine kurze Korrektur. Sie zitierte das ursprüngliche Editorial von 1920 und stellte fest, dass weitere Untersuchungen und Experimente die Erkenntnisse von Isaac Newton bestätigt hätten. Raketen könnten sowohl im Vakuum als auch in der Atmosphäre funktionieren. Die Korrektur endete mit dem berühmten Satz: „Die Times bedauert den Fehler.“ Die Ironie liegt darin, dass die Korrektur nicht erwähnte, dass sie direkt nach dem Start der Apollo-11-Mission veröffentlicht wurde, die den Fehler des Editorials eindeutig widerlegte.
Die Geschichte der New York Times und Robert Goddard ist ein Beispiel dafür, wie selbstbewusste Kritik und öffentliche Verspottung oft auf falschen Annahmen beruhen können. Sie zeigt auch, wie wichtig Experimente und wissenschaftliche Beweise sind, um Ideen zu bestätigen oder zu widerlegen. Goddard hatte die Experimente durchgeführt, aber erst die Saturn-V-Rakete der Apollo-Mission bewies seine Theorien endgültig.
- Quelle: Space Daily