Die Vermessung von Asteroiden durch Sternbedeckungen hat sich als präzise Methode etabliert, bei der Amateurastronomen eine entscheidende Rolle spielen. Diese Technik ermöglicht die Bestimmung von Form und Größe erdnaher Objekte lange bevor Raumsonden sie erreichen.
Prinzip der Sternbedeckung
Bei einer Sternbedeckung (stellar occultation) zieht ein Asteroid genau zwischen Erde und einem fernen Stern vorbei. Der Stern wird dabei für Sekundenbruchteile bis Minuten verdeckt. Durch präzise Zeitmessung der Verdunklungsdauer und Kenntnis der Asteroidengeschwindigkeit lässt sich die Größe des Objekts entlang dieser Linie berechnen. Mehrere Messungen von verschiedenen Standorten ergeben ein vollständigeres Bild der Asteroidenform.
Früher waren die Vorhersagen solcher Ereignisse ungenau, sodass Beobachter über Hunderte Kilometer verteilt werden mussten. Seit der Veröffentlichung des Gaia-Sternkatalogs der ESA 2018 hat sich die Genauigkeit deutlich verbessert. Die Unsicherheit der Vorhersagen sank von etwa 300 Kilometern auf rund 10 Kilometer.
Zusammenarbeit von Profis und Amateuren
Die NASA-Mission Lucy, die 2021 gestartet wurde, nutzt diese Methode zur Vorbereitung ihrer Begegnungen mit Jupiter-Trojanern. Für den Asteroiden Polymele, den Lucy zwischen August 2027 und November 2028 erreichen soll, waren genaue Vorabinformationen besonders wichtig.
Am 27. März 2022 gelang ein bemerkenswerter Erfolg: 26 Teams aus Profis und Amateuren beobachteten eine Polymele-Bedeckung. Vierzehn Gruppen registrierten das Ereignis erfolgreich. Zwei davon entdeckten dabei unerwartet einen kleinen Mond in etwa 200 km Entfernung zum Hauptkörper – ein bisher unbekanntes Objekt.
Organisationen wie die International Occultation Timing Association (gegründet 1983) koordinieren solche Beobachtungskampagnen. Teilnehmer benötigen lediglich ein Teleskop, eine Stoppuhr und klaren Himmel. Die gesammelten Daten helfen Missionsplanern bei der Vorbereitung von Raumflugkörper-Begegnungen.
- Quelle: NASA-Missionsupdate August 2023
- Quelle: International Occultation Timing Association
- Quelle: ESA Gaia-Katalog 2018