Ein internationales Forscherteam hat erstmals das weltweite Ausmaß unterirdischer Pilznetzwerke quantifiziert. Die Studie, veröffentlicht in Science am 11. Juni 2026, basiert auf der Analyse von über 16.000 Bodenproben und computergestützten Modellen.
Dimensionen des unterirdischen Netzwerks
Die Gesamtlänge der Hyphenfäden arbuskulärer Mykorrhizapilze (AM-Pilze) in den oberen 15 Zentimetern des Erdreichs beträgt etwa 110 Billiarden Kilometer. Diese Schätzung ergibt sich aus der Kombination von Felddaten mit maschinellen Lernverfahren für Gebiete ohne direkte Proben.
Zum Vergleich: Diese Länge entspricht etwa 733 Millionen einfachen Strecken von der Erde zur Sonne oder etwa 10% des Durchmessers der Milchstraße. In einem Teelöffel gesunden Bodens finden sich bis zu 10 Meter lebender Pilzfäden.
Ökologische Bedeutung und Bedrohungen
AM-Pilze bilden eine symbiotische Beziehung mit etwa 70% aller Landpflanzen. Sie tauschen Wasser und Mineralstoffe gegen pflanzlichen Kohlenstoff. Jährlich transportieren diese Netzwerke etwa 4 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalent in die Böden – etwa 11% der menschlichen Emissionen.
Graslandökosysteme beherbergen etwa 40% der globalen Pilzinfrastruktur. Die dichtesten Vorkommen befinden sich in den Everglades, den Sudd-Sümpfen im Südsudan und auf dem tibetischen Plateau. 95% dieser Hotspots stehen nicht unter Schutz.
Landwirtschaftliche Nutzung reduziert die Pilzdichte um etwa 50%. Mechanische Bodenbearbeitung zerstört die Hyphennetzwerke, während Düngemittel die symbiotischen Beziehungen stören. Die Umwandlung von Grasland zu Ackerland erfolgt viermal schneller als Waldverlust.
Biomasse und Klimarelevanz
Die gesamte lebende AM-Pilzbiomasse enthält etwa 300 Megatonnen Kohlenstoff – das Vier- bis Sechsfache der Masse aller Menschen. Diese Netzwerke versorgen Pflanzen mit über 80% ihres Phosphorbedarfs und können die effektive Wurzeloberfläche um das Hundertfache erhöhen.
Die Forschergruppe der Society for the Protection of Underground Networks (SPUN) plant, die Ergebnisse auf der UN-Wüstenkonferenz in der Mongolei im August 2026 vorzustellen. Die Daten unterstreichen die Bedeutung unterirdischer Ökosysteme für den globalen Kohlenstoffkreislauf.
- Originalstudie: Science (11.06.2026)
- Datenvisualisierung: Moritz Stefaner
- Hintergrund: The Conversation, The Guardian