In der Danakil-Senke Äthiopiens befindet sich der Gaet’ale-See, ein kleiner Tümpel mit außergewöhnlich hohem Salzgehalt. Messungen aus dem Jahr 2017 belegen eine Salzkonzentration von 433 Gramm pro Kilogramm Wasser, was 43,3 Gewichtsprozent entspricht. Damit übertrifft der See die Salinität des Toten Meeres und ist derzeit der salzigste dokumentierte See weltweit.
Chemische Zusammensetzung und Entstehung
Im Gegensatz zu Meerwasser, das hauptsächlich Natriumchlorid enthält, dominieren im Gaet’ale-See Calciumchlorid und Magnesiumchlorid die chemische Zusammensetzung. Die Wassertemperatur liegt konstant zwischen 50 und 55 Grad Celsius. Lokale Berichte führen die Entstehung des Sees auf ein Erdbeben im Januar 2005 zurück, das eine Thermalquelle reaktivierte.
Die Danakil-Senke selbst ist Teil eines tektonisch aktiven Gebiets mit Vulkanen, Schwefelquellen und Salzebenen. Diese Landschaft entstand durch das wiederholte Austrocknen eines urzeitlichen Meeres über geologische Zeiträume hinweg.
Forschung unter Extrembedingungen
Die Region dient Wissenschaftlern als natürliches Labor für Studien zu den Grenzen des Lebens. Mehrere internationale Forschungsteams untersuchen die extremen Bedingungen:
• Mikrobiologen analysierten die Möglichkeit von Leben in den hyperaciden und hypersalinen Gewässern
• Geologen nutzen die Strukturen als Analog zu Mars-Riftsystemen
• Planetologen verwenden Geländemodelle für Vergleiche mit Saturnmond Titan
Eine Studie aus dem Jahr 2019 fand in den extremsten Becken des Dallol-Hydrothermalfelds keinerlei mikrobielle Lebensspuren. Dies widerspricht der Annahme, dass flüssiges Wasser allein Lebensräume garantiert. In weniger extremen hypersalinen Seen der Region wurden dagegen diverse Archaeen-Gemeinschaften nachgewiesen.
- Pérez & Chebude (2017): Aquatic Geochemistry
- López-García et al. (2019): Studie zur Lebensfeindlichkeit extremster Becken
- NOAA & USGS: Referenzdaten zur Meerwassersalinität