Venus‘ Wolken könnten extrem dunkle Flüssigkeit enthalten

Neue Modellierungen deuten darauf hin, dass die Flüssigkeit in den Wolkentröpfchen der Venus nahezu schwarz erscheinen könnte, wenn man sie in einem Behälter sammeln würde. Die Studie untersucht das Phänomen des unbekannten Absorbers in der Venusatmosphäre.

Das Rätsel des unbekannten Absorbers

Venus erscheint im sichtbaren Licht als blassgelbe Welt. Ultraviolette Aufnahmen zeigen jedoch dunkle Strukturen in den oberen Wolkenschichten, die starkes Sonnenlicht absorbieren. Astronomen beobachten dieses Muster seit etwa einem Jahrhundert, ohne das verantwortliche Material identifizieren zu können.

Die Studie von Jan Spacek und Kollegen berechnet, wie stark die Flüssigkeit in den venusianischen Wolkentröpfchen ultraviolettes und blaues Licht absorbieren würde. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Flüssigkeit in konzentrierter Form fast schwarz erscheinen könnte, während die Wolken selbst hell wirken. Die Berechnungen beschränken sich auf den Wellenlängenbereich von 365 bis 455 Nanometern.

Modellierung der Absorptionseigenschaften

Das Forschungsteam analysierte Reflektivitätsspektren der Venus aus dem Jahr 2020. Die Modellierung berücksichtigte bekannte atmosphärische Gase wie Schwefeldioxid, Ozon und Kohlenmonoxid sowie zwei Populationen von Aerosolpartikeln mit unterschiedlichen Größen.

Die Ergebnisse zeigen einen maximalen dekadischen Absorptionskoeffizienten von 1.278 cm⁻¹ bei 375 Nanometern. Dieser Wert fällt auf unter 54 cm⁻¹ bei 455 Nanometern. Ein ein Zentimeter dickes Flüssigkeitsvolumen mit diesem Absorptionskoeffizienten wäre praktisch undurchsichtig.

Die Studie betont, dass die tatsächliche chemische Zusammensetzung des unbekannten Absorbers weiterhin ungeklärt bleibt. Bisher vorgeschlagene Kandidaten umfassen schwefelhaltige Moleküle, Chlorverbindungen und kohlenstoffbasiertes Material.

  • Quelle: Peer-Review-Studie in Astrobiology (2023)
  • Quelle: Space Daily (2019)