Die Oberfläche der Venus bewahrt geologische Strukturen über lange Zeiträume, da erosive Prozesse wie auf der Erde kaum stattfinden. Eine Studie in Nature Geoscience analysierte drei große Grabenbrüche auf der Venus und fand Hinweise auf möglicherweise aktive tektonische Prozesse.
Erosionsfreie Oberfläche als geologisches Archiv
Im Gegensatz zur Erde fehlen der Venus Ozeane und Regen, die durch Erosion Landschaftsformen verändern würden. Schwefelsäurewolken bilden zwar Tröpfchen, diese verdunsten jedoch vor dem Erreichen der Oberfläche. Dadurch bleiben tektonische Strukturen über geologische Zeiträume erhalten.
Forscher unter Leitung von Xi Yang untersuchten drei große Grabenbruchsysteme: Ganis Chasma, Dali Chasma und Devana Chasma. Computermodelle zeigen, dass breite, steile Flanken an Grabenbrüchen auf junge, schnell wachsende Risse hindeuten. Alle drei untersuchten Strukturen weisen diese charakteristischen Merkmale auf.
Numerische Modelle und Geländeanaylsen
Das Forschungsteam führte dreidimensionale thermomechanische Simulationen der venusianischen Lithosphäre durch. Die Modelle berücksichtigten verschiedene Krustentypen und Ausbreitungsraten von einem bis zehn Zentimetern pro Jahr.
Die Ergebnisse zeigen, dass breite Flanken (über 100 Kilometer) auf geologisch junge oder noch aktive Dehnungsprozesse hindeuten. Nach Beendigung der Dehnung verringert sich die Breite der Flanken innerhalb von Millionen Jahren deutlich.
Vergleiche mit topographischen Daten der Magellan-Mission zeigen für Dali Chasma eine mittlere Flankenbreite von etwa 110 Kilometern, Ganis Chasma 160 Kilometer und Devana Chasma über 180 Kilometer. Die Profile ähneln am ehesten Modellen mit starker Kruste und hohen Ausbreitungsraten.
Zukünftige Missionen wie VERITAS (NASA) und EnVision (ESA) sollen mit hochauflösender Radartechnik und wiederholten Messungen mögliche aktive Bewegungen direkt nachweisen.
- Nature Geoscience: Studie zu venusianischen Grabenbrüchen
- NASA: Magellan-Missionsdaten
- ESA: EnVision Missionsplanung