Ol Doinyo Lengai: Der Vulkan mit der kühlsten Lava der Erde

Im Norden Tansanias, nahe dem Natronsee im Ostafrikanischen Graben, befindet sich der aktive Vulkan Ol Doinyo Lengai. Übersetzt aus der Maa-Sprache bedeutet der Name „Berg Gottes“. Dieser Vulkan ist weltweit einzigartig, da er als einziger aktiver Vulkan Natrocarbonatit-Lava ausstößt.

Besondere Eigenschaften der Lava

Die Lava des Ol Doinyo Lengai weist mehrere ungewöhnliche Merkmale auf. Mit Temperaturen zwischen 500 und 590°C ist sie deutlich kühler als basaltische Lava, wie sie etwa in Hawaii mit etwa 1.160°C vorkommt. Frisch ausgeflossene Natrocarbonatit-Lava erscheint tagsüber schwarz oder dunkelbraun und zeigt nachts nur ein schwaches oranges oder rotes Glühen.

Chemisch besteht diese Lava hauptsächlich aus Natrium- und Kalium-reichen Carbonatmineralen wie Nyerereit und Gregoryit. Im Gegensatz zu den silikatreichen, basaltischen Lavatypen weist sie einen extrem niedrigen Siliciumdioxid-Gehalt auf, was zu einer besonders dünnflüssigen Konsistenz führt. Dies ermöglicht die Bildung dünner Ströme und kleiner Schlackenkegel, sogenannter Hornitos.

Verwitterung und Farbveränderungen

Ein markantes Phänomen ist die schnelle Farbveränderung der frischen Lava. Durch Reaktion mit Luftfeuchtigkeit und Regen wandeln sich die ursprünglich dunklen Carbonatminerale innerhalb weniger Stunden in graue und weiße hydratisierte Produkte um. Dieser Prozess kann die Vulkanflanken innerhalb kurzer Zeit weiß erscheinen lassen, als wäre Milch über die Lava geschüttet worden.

Die Geschwindigkeit der Farbänderung hängt von den Wetterbedingungen ab. Während feuchte Bedingungen eine schnelle Umwandlung bewirken, bleibt die Lava unter trockenen Bedingungen länger dunkel. Die entstandenen weißen Ablagerungen sind brüchig und verwittern relativ schnell zu einem bräunlichen Pulver.

Gefahrenpotential des Vulkans

Trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen stellt Ol Doinyo Lengai ein erhebliches Gefahrenpotential dar. Der Vulkan zeigt unterschiedliche Aktivitätsmuster, von ruhigen Lavaströmen bis zu explosiven Ascheeruptionen. Zu den Risiken gehören Lavaströme, Ascheregen, ballistische Blöcke, pyroklastische Ströme und Lahare.

Die steile Topographie des Vulkans, instabile Kraterwände und Gasemissionen erhöhen die Gefahren für Besucher. Ein Unfall im Jahr 2007, bei dem ein Träger in Lava fiel, unterstreicht die Risiken.

  • Quelle: USGS Geological Survey
  • Quelle: Smithsonian Global Volcanism Program
  • Quelle: NASA Earth Observatory
  • Quelle: Volcanology Study 2008