Oxford Electric Bell: Ein 1840 gestartetes Experiment läuft weiter

Im Clarendon Laboratory der Universität Oxford befindet sich ein ungewöhnliches physikalisches Experiment. Seit 1840 schwingt dort ein kleiner Metallklöppel zwischen zwei Glocken – angetrieben durch Batterien, die eigentlich nur wenige Jahre halten sollten.

Funktionsweise des Experiments

Das als Oxford Electric Bell bekannte Gerät besteht aus zwei Messingglocken, zwischen denen ein etwa 4 Millimeter großer Metallklöppel pendelt. Die Londoner Firma Watkins and Hill konstruierte die Apparatur für den Oxforder Geistlichen und Physiker Robert Walker. Die beiden Batterien laden die Glocken entgegengesetzt auf. Der Klöppel wird von einer Glocke angezogen, übernimmt deren Ladung, wird abgestoßen und zur gegenüberliegenden Glocke gezogen – ein Prozess, der sich etwa zweimal pro Sekunde wiederholt.

Ursprünglich gingen die Hersteller davon aus, dass die Batterien nach drei bis vier Jahren erschöpft sein würden. Tatsächlich läuft das Experiment seit über 185 Jahren. Schätzungen zufolge hat der Klöppel die Glocken etwa 10 Milliarden Mal berührt. Der extrem geringe Stromverbrauch von etwa einem Nanoampere pro Schwingung erklärt die lange Laufzeit.

Ungeklärte Fragen und Besonderheiten

Die genaue Zusammensetzung der Batterien bleibt unbekannt, da diese mit einer Schwefelschicht versiegelt sind. Eine Untersuchung würde das Experiment beenden. Forschungsergebnisse aus dem Jahr 1984 deuten darauf hin, dass die Batterien ähnlich aufgebaut sein könnten wie frühere Zamboni-Elemente, die aus etwa 2000 Zinnfolienpaaren mit Zinksulfat und Mangandioxid bestanden.

Das Experiment widerlegt nicht die Gesetze der Thermodynamik – es verbraucht lediglich die 1840 gespeicherte Energie extrem langsam. Physiker sehen darin ein Beispiel für die Langlebigkeit gut isolierter Batterien bei minimalem Stromverbrauch. Bemerkenswert ist auch, dass die mechanischen Komponenten über diesen langen Zeitraum funktionsfähig blieben.