NASA-Technik enthüllt antike Kunstwerke

Eine ursprünglich für die Satellitenbildanalyse entwickelte Methode der NASA findet heute Anwendung in der Archäologie. Die sogenannte Dekorrelationsstreckung (decorrelation stretch) macht verblasste Malereien und Gravuren sichtbar, die mit bloßem Auge kaum noch erkennbar sind. Die Technik wurde am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA entwickelt und wird mittlerweile weltweit zur Erforschung antiker Kunst eingesetzt.

Von der Raumfahrt zur Archäologie

Die Dekorrelationsstreckung wurde ursprünglich für die Auswertung von Bilddaten des Advanced Spaceborne Thermal Emission and Reflection Radiometer (ASTER) entwickelt, einem Instrument an Bord des NASA-Satelliten Terra. Die Methode verstärkt Kontraste in digitalen Bildern und macht so Details sichtbar, die sonst verborgen bleiben würden.

Jon Harman, ein ehemaliger Mitarbeiter im Bereich medizinischer Bildgebung, erkannte das Potenzial der Technik für die Archäologie. Nachdem er NASA-Bilder der Marsoberfläche mit und ohne Dekorrelationsstreckung verglichen hatte, entwickelte er ein Plug-in für das Open-Source-Programm ImageJ. Dieses Plug-in, genannt Dstretch, ermöglicht es Archäologen, verblasste Kunstwerke digital zu rekonstruieren.

Weltweite Anwendung

Seit seiner Einführung hat Dstretch in zahlreichen archäologischen Projekten weltweit Anwendung gefunden. So wurden beispielsweise im Tempelkomplex von Angkor Wat in Kambodscha über 200 bisher unbekannte Malereien entdeckt. Die Technik wurde auch in einer Höhle in Baja California, Mexiko, sowie an antiken Stätten in Norwegen, Ägypten und Kanada erfolgreich eingesetzt.

Neben der Erforschung von Felsmalereien findet Dstretch auch in anderen Bereichen der Archäologie Anwendung. So wurde die Methode genutzt, um Überreste antiker griechischer Gebäude zu lokalisieren und Tätowierungen auf mumifizierten menschlichen Überresten zu untersuchen.

Jon Harman erhält jährlich etwa 200 Anfragen nach Dstretch und hat zudem Smartphone-Apps entwickelt, die eine vereinfachte Version der Technik nutzen. Diese Apps wurden tausendfach heruntergeladen und haben die Erforschung antiker Kunst weiter vereinfacht.