Das Arecibo-Observatorium in Puerto Rico, einst das größte Einzelschüssel-Radioteleskop der Welt, wurde am 1. Dezember 2020 durch den Zusammenbruch seiner 900 Tonnen schweren Instrumentenplattform zerstört. Die Plattform, die an Stahlkabeln 150 Meter über dem 305 Meter großen Reflektor hing, riss sich von einem der Unterstützungstürme los und stürzte durch die darunterliegende Schüssel. Der gesamte Prozess dauerte nur etwa 30 Sekunden.
Die Geschichte des Observatoriums
Das Arecibo-Observatorium wurde 1963 fertiggestellt und war ursprünglich Teil eines Raketenabwehrprogramms der USA während des Kalten Krieges. Es wurde von der Cornell University unter Vertrag mit der Advanced Research Projects Agency gebaut, um die Auswirkungen der oberen Atmosphäre auf die Verfolgung von Raketenköpfen zu untersuchen. Die Astronomie wurde später zum Hauptzweck des Observatoriums.
Die 305-Meter-Schüssel wurde in einen natürlichen Kalksteinsinkhole im Norden Puerto Ricos gebaut, da das Gelände die strukturelle Stabilität bot, die ein flacher Standort nicht hätte bieten können. Über Jahrzehnte hinweg war Arecibo das größte Einzelschüssel-Radioteleskop der Erde und leistete bedeutende Beiträge zur Astronomie. 1974 entdeckten die Astronomen Russell Hulse und Joseph Taylor mit Hilfe des Observatoriums den ersten Doppelpulsar, was indirekte Beweise für die Existenz von Gravitationswellen lieferte. Diese Entdeckung brachte ihnen 1993 den Nobelpreis für Physik ein.
1992 wurden mit Arecibo die ersten Exoplaneten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt, die einen Pulsar umkreisten. Das Observatorium war auch an der Entdeckung der ersten sich wiederholenden schnellen Radioblitze beteiligt, ein Phänomen, das bis heute nicht vollständig erklärt ist. Die NASA nutzte das Observatorium zudem zur Verfolgung erdnaher Asteroiden.
Der Zusammenbruch und seine Folgen
Die Probleme begannen im August 2020, als eines der Hilfskabel aus seiner Halterung rutschte und einen 30 Meter langen Riss in der Reflektorschüssel verursachte. Die National Science Foundation stellte daraufhin 10,5 Millionen US-Dollar für Reparaturen bereit. Am 6. November 2020 riss jedoch eines der Hauptkabel bei nur etwa 60 Prozent seiner Belastungsgrenze, was auf strukturelle Probleme hinwies. Nach weiteren Inspektionen wurde festgestellt, dass zwei weitere Kabel desselben Unterstützungsturms beschädigt waren.
Am 19. November 2020 beschloss die National Science Foundation, das Teleskop stillzulegen. Bevor jedoch ein kontrollierter Abbau geplant werden konnte, stürzte die Plattform am 1. Dezember 2020 unkontrolliert ab und zerstörte die Reflektorschüssel vollständig. Der Zusammenbruch beschädigte auch einen der Unterstützungstürme an seiner Basis.
Die National Science Foundation entschied sich gegen einen Wiederaufbau des Teleskops. Stattdessen wurde das Gelände in ein STEM-Bildungszentrum umgewandelt, das seit 2024 unter dem Namen Arecibo C3 betrieben wird. Das Zentrum wird gemeinsam vom Cold Spring Harbor Laboratory und Universitäten in Puerto Rico und Maryland geleitet.
- Quelle: Originaltext über das Arecibo-Observatorium