Singapur importiert über 90% seiner Lebensmittel, setzt dabei jedoch auf eine bewusste Streuung der Bezugsquellen. Aktuell bezieht der Stadtstaat Nahrungsmittel aus 187 Ländern und Regionen. Dieser Ansatz soll Versorgungsengpässe verhindern, wenn einzelne Lieferanten ausfallen.
Flexible Anpassung bei Lieferausfällen
Ein Beispiel für die Funktionsweise dieses Systems war die Hühnerfleisch-Krise im Juni 2022. Malaysia stoppte damals die Lieferung von 3,6 Millionen lebenden Hühnern monatlich nach Singapur. Da etwa ein Drittel der Hühnerimporte aus Malaysia stammte, mussten sich Restaurants und Händler kurzfristig umstellen. Die Regierung organisierte schnell Ersatzlieferungen von gekühltem Fleisch aus Australien und Thailand sowie tiefgefrorenen Produkten aus Brasilien und den USA.
Die Supermarktregale blieben gefüllt, obwohl sich die Preise erhöhten und die Qualität des Nationalgerichts Hainanese Chicken Rice vorübergehend beeinträchtigt war. Dies war kein Zufall, sondern Ergebnis einer langfristigen Strategie. Vor zwei Jahrzehnten bezog Singapur Lebensmittel aus etwa 140 Ländern, bis 2023 stieg diese Zahl auf 187.
Strukturierte Risikostreuung bei Grundnahrungsmitteln
Besonders deutlich zeigt sich das System bei Eiern. Rund 70% des Bedarfs wird importiert, wobei früher der Großteil aus einem Nachbarland kam. Die Singapore Food Agency berichtet, dass zwischen 2019 und 2021 der Anteil der Eier aus Australien, Polen, der Ukraine und Thailand von 2% auf 19% stieg. Die Zahl der zugelassenen Herkunftsländer erhöhte sich von 12 auf 17.
Importeure müssen seit 2019 Geschäftskontinuitätspläne vorlegen, die Pufferbestände, Ersatzlieferanten und etablierte Beziehungen zu Farmen in potenziellen Bezugsländern beinhalten. Die Behörde fördert zudem den Einsatz von Flüssigei, das besser lager- und transportierbar ist als Schaleneier.
Lokale Produktionsziele wurden angepasst. Das ursprüngliche Ziel „30 by 30“ sah vor, bis 2030 30% des Nährstoffbedarfs lokal zu produzieren. Dies erwies sich als zu ambitioniert. Der neue Plan „Singapore Food Story 2“ strebt bis 2035 an, 20% des Gemüsebedarfs und 30% des Proteinbedarfs (Eier und Meeresfrüchte) lokal zu decken. Aktuell liegen die Werte bei 8% bzw. 25%.
- Quelle: Space Daily
