Im Jahr 2000 stießen Bergleute in der Naica-Mine im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua auf eine außergewöhnliche geologische Formation. In etwa 300 Metern Tiefe entdeckten sie eine Kammer, die mit bis zu 11,4 Meter langen Gipskristallen gefüllt war. Die durchsichtigen Selenit-Kristalle hatten sich über Hunderttausende von Jahren unter Wasser gebildet.
Entstehung der Riesenkristalle
Die extremen Dimensionen der Kristalle resultieren aus speziellen chemischen Bedingungen. Forschungen von Juan Manuel García-Ruiz belegen, dass sich die Kristalle bei konstant 54°C aus mineralreichem Wasser bildeten. Knapp unterhalb der 58°C-Marke, bei der sich wasserfreier Anhydrit stabilisiert, wuchsen die Gipskristalle besonders langsam.
Messungen aus dem Jahr 2011 zeigen, dass die Kristalle pro Jahrhundert nur etwa eine Haaresbreite dicker werden. Für die beobachteten Maximaldurchmesser von einem Meter waren daher fast eine Million Jahre Wachstum nötig.
Forschung unter Extrembedingungen
Die Untersuchung der Kristallkammer gestaltete sich aufgrund der extremen Umweltbedingungen schwierig. Bei Temperaturen um 50°C und über 90% Luftfeuchtigkeit konnten Wissenschaftler nur kurzzeitig mit spezieller Kühlausrüstung arbeiten. Die Mine wurde seit 2015 nicht mehr betrieben, seitdem ist unklar, ob die Kammer wieder unter Wasser steht.
In winzigen Flüssigkeitseinschlüssen der Kristalle fanden Forscher mögliche Hinweise auf uralte Mikroorganismen. Diese Funde sind jedoch wissenschaftlich noch nicht abschließend bestätigt. Die Kristalle selbst sind durch die Bergbautätigkeit gefährdet, da das Abpumpen des Grundwassers zu Dehydrierung führen kann.
- ACS Central Science: Bericht über die Entdeckung der Kristallkammer
- Geology (2007): Studie zu den Wachstumsbedingungen
- Proceedings of the National Academy of Sciences (2011): Messungen des Kristallwachstums
- Frontiers in Microbiology (2013): Untersuchung von Mikroorganismen
- Minerals (2021): Aktuelle Bewertung des Erhaltungszustands
