Im Jahr 2025 berichteten Astronomen über einen möglichen Planeten, der zwei Braunen Zwergen in einem nahezu polaren Orbit folgen sollte. Diese ungewöhnliche Konfiguration wäre die erste bestätigte eines Planeten, der senkrecht zur Bahnebene eines Doppelsternsystems kreist. Die indirekten Hinweise erwiesen sich jedoch als mögliches Artefakt von Messfehlern.
Das System 2M1510 und seine Besonderheiten
Das System 2M1510 befindet sich etwa 120 Lichtjahre von der Erde entfernt. Es besteht aus zwei jungen Braunen Zwergen mit jeweils etwa 35 Jupitermassen, die sich alle 20,9 Tage umkreisen. Ihre Bahn weist eine Exzentrizität von 0,36 auf. Das System gehört zu den wenigen bekannten Doppel-Braunzwerg-Systemen, bei denen sich die Komponenten gegenseitig bedecken. Diese Eigenschaft ermöglicht präzise Messungen ihrer Radien und Bahnneigung.
Ein dritter Brauner Zwerg, 2M1510 C, umkreist das innere Paar in etwa 250 Astronomischen Einheiten. Er ist gravitativ an das System gebunden, spielte aber für die beobachteten Bahnänderungen keine Rolle.
Indirekte Hinweise und ihre Widerlegung
Forscher um Thomas Baycroft analysierten Radialgeschwindigkeitsdaten des UVES-Spektrographen am Very Large Telescope der ESO. Sie beobachteten eine scheinbare rückläufige Präzession der Bahnellipse mit einer Rate von -343 Bogensekunden pro Jahr. Die Wahrscheinlichkeit für diesen Effekt wurde mit 99,7% angegeben.
Da bekannte physikalische Effekte eine Vorwärtspräzession erwarten lassen, interpretierte das Team die Beobachtung als Hinweis auf einen Planeten in polarem Orbit. Spätere Analysen zeigten jedoch, dass inkonsistente Zeitstempel in den Doppler-Daten das Signal möglicherweise künstlich erzeugt hatten. Nach Korrektur der Zeitangaben verschwand die rückläufige Präzession.
Die ursprüngliche Interpretation hätte einen Planeten mit Masse zwischen 10 und 100 Erdmassen in einem Orbit zwischen 100 und 400 Tagen vorhergesagt. Direkte Beobachtungen des mutmaßlichen Planeten gelangen nicht, da ein polarer Orbit kaum messbare Radialgeschwindigkeitssignale oder Transits erzeugt.
- Originalstudie in Science Advances (2025)
- ESO-Pressemitteilung zur Entdeckung
- SpaceDaily-Bericht zur ersten polaren zirkumbinären Scheibe