Im Jahr 1967 entdeckte die Doktorandin Jocelyn Bell Burnell an der Universität Cambridge ein ungewöhnliches Radiosignal. Die regelmäßigen Pulse im Abstand von 1,33 Sekunden waren so präzise, dass sie und ihr Betreuer Antony Hewish sie zunächst scherzhaft als „LGM-1“ (Little Green Men 1) bezeichneten. Die Vermutung, es könnte sich um ein künstliches Signal handeln, erwies sich jedoch bald als falsch.
Von der Doktorarbeit zur kosmischen Entdeckung
Bell Burnell arbeitete an ihrer Promotion, als sie das Signal entdeckte. Über zwei Jahre hatte sie am Bau eines speziellen Radioteleskops mitgeholfen, das aus über 4.000 Dipolantennen bestand und eine Fläche von etwa vier Acres abdeckte. Ursprünglich sollte das Instrument Quasare untersuchen, die durch den Sonnenwind flackern.
Die Entdeckung erfolgte durch akribische Analyse von hunderten Metern aufgezeichneter Diagrammpapiere. Bell Burnell bemerkte eine schwache, aber regelmäßige Markierung, die sie als „scruff“ bezeichnete. Die Präzision der Pulse widersprach damaligen astronomischen Kenntnissen – Sterne und Galaxien zeigen normalerweise unregelmäßige oder langsame Variationen.
Vom Alien-Signal zum astrophysikalischen Phänomen
Die Hypothese eines künstlichen Signals wurde widerlegt, als Bell Burnell ein zweites pulsierendes Signal in einem anderen Himmelsbereich entdeckte. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei unabhängige außerirdische Zivilisationen gleichzeitig die Erde kontaktieren würden, erschien zu gering.
Die wahre Natur der Signale erwies sich als Pulsare – extrem kompakte Überreste von Supernova-Explosionen. Diese Neutronensterne rotieren mit hoher Geschwindigkeit und senden gebündelte Radiowellen aus, die bei jeder Umdrehung wie ein Leuchtturm die Erde erreichen. Für diese Entdeckung erhielt Antony Hewish 1974 den Nobelpreis für Physik, während Bell Burnell nicht berücksichtigt wurde – eine Entscheidung, die in der astronomischen Gemeinschaft lange kontrovers diskutiert wurde.
- Originalarbeit zur Pulsarentdeckung (1968)
- Interviews mit Jocelyn Bell Burnell
- Nobelpreis-Dokumentation der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften